Pressemitteilung

2021 / 0043
05.03.2021

Afrikanische Schweinepest: Zaunschluss um Kerngebiet 3 in Dahme-Spreewald

Neue Allgemeinverfügung ermöglicht Bewirtschaftung /Bejagung in weißer Zone beginnt

Der Landkreis Dahme-Spreewald hat auf seinem Gebiet den Zaunbau um das Kerngebiet 3 (Teile der Landkreise Oder-Spree und Dahme-Spreewald) zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) abgeschlossen. Schon im Dezember 2020 war der innere Ring fertiggestellt worden, im Laufe dieser Woche auch der Zaunabschnitt des äußeren Rings auf dem Kreisgebiet. Damit ist die „weiße Zone“ des größten ASP-Kerngebiets nahe den Orten Friedland und Trebitz nun durch einen doppelten Wildschutzzaun umschlossen. Über eine heute erlassene Tierseuchenallgemeinverfügung  wird die Jagd-Entnahme der Wildschweine vor allem über Lebendfallen und die Nutzung von Forst- und Waldwirtschaft in diesem Gebiet wieder weitestgehend möglich gemacht.

Zaunschluss ermöglicht Reduzierung des Wildschweinbestandes
Der von der Europäischen Union geforderte Bau einer festen Doppel-Umzäunung der sogenannten „weiße Zone“ (ca. 8.700 Hektar) auf dem Dahme-Spreewald-Territorium ist am gestrigen Donnerstag fertigstellt worden, bestätigt die untere Jagdbehörde. Oder-Spree hatte den Zaunbau auf seinem Kreisgebiet auch kürzlich abgeschlossen. Bei der „weißen Zone“ handelt es sich um einen zirka fünf Kilometer breiten Streifen, der das Kerngebiet ringförmig umschließt. Seit Ende 2020 sind im Auftrag des Landkreises Dahme-Spreewald insgesamt rund 20 Kilometer Elektrozaun und etwa 40 Kilometer fester Zaun zur Eindämmung der Tierseuche errichtet worden – gut zehn Kilometer davon unterstützend für die Nachbarlandkreise Oder-Spree und Spree-Neiße. Kleinere Restarbeiten, wie der Einbau von Toren, werden aktuell noch durchgeführt.

„Meine Anerkennung gilt der Teamleistung für diesen baulich und koordinativ sehr aufwendigen Zaunbau, der stets mit Blick auf eine dynamische Seuchenlage erfolgte. Zäune haben wir zuerst dort gebaut, wo die Seucheneindämmung am dringendsten war. Die Absuche der Kampfmittverdachtsflächen und die Aufklärung von unterirdischen Leitungsverläufen stellten neben der erschwerenden Witterung zeitintensive Herausforderungen dar“, sagt Dahme-Spreewalds ASP-Krisenstabsleiterin und Dezernentin Heike Zettwitz.

Entscheidend für die weitere Tierseuchenbekämpfung und damit das Zurückdrängen der ASP ist die drastische Reduzierung des Schwarzwildbestandes. Zunächst müssen im Kerngebiet und in der „weißen Zone“ die Wildschweine möglichst komplett entnommen werden. „Die Jäger mussten sich lange gedulden, bis die Sicherheit durch die Zäune gegeben war. Sie haben uns jedoch stets ihre Unterstützung angeboten und signalisiert, nun aktiv bei der Entnahme und Bergung der Wildschweine mitzuwirken. In allen betroffenen Jagdbezirken erfuhren wir hier bisher eine sehr gute Zusammenarbeit“, erklärt Norbert Hill, Sachgebietsleiter der unteren Jagbehörde des Kreises. Zur Vorbereitung waren durch die Kreisverwaltung in den vergangenen Wochen bereits Jäger aus den betroffenen Jagdgebieten zur tierschutzkonformen Entnahme mittels Lebendfallen geschult und insgesamt 30 sogenannte Saufängen bestellt worden.

Veterinäramt erlässt neue Tierseuchen-Allgemeinverfügung
Vor dem Hintergrund des Zaunschlusses hat Dahme-Spreewalds Amtstierärztin Dr. Jana Guth eine neue Tierseuchenallgemeinverfügung zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen erlassen. Diese tritt am morgigen Samstag in Kraft und löst die Verfügung vom 11. Dezember 2020 ab.

Die Neubestimmungen im Überblick:

  • Die Schutzzonen werden kartografisch dargestellt und beschrieben.
  • Die Land- und Forstwirtschaft ist außerhalb der weißen Zone wieder uneingeschränkt möglich.
  • Im gefährdeten Gebiet (Kerngebiet und weiße Zone) ist die Forstwirtschaft wieder möglich. Einzig der mechanisierte Holzeinschlag (Harvester) und das Rücken sowie Pflügen sind an eine vorherige Fallwildsuche gebunden.
  • Für die Landwirtschaft im Kerngebiet und in der weißen Zone gilt zudem: Das Pflügen ist erst nach einer Fallwildsuche gestattet. Beim Anbau bestimmter Kulturen ist ein Leitfaden zur Anlage und Bewirtschaftung zu beachten. Grundsätzlich sind landwirtschaftliche Tätigkeiten im gefährdeten Gebiet mit der Fallwildsuche zu kombinieren.
  • Außerhalb der weißen Zone ist die Jagd wieder möglich – Schwarzwild muss hier sogar verstärkt bejagt werden.
  • Außerhalb des Kerngebietes kann Schwarzwild unter bestimmten Bedingungen vermarktet werden.
  • Alle im Landkreis erlegten Wildschweine müssen zwingend labordiagnostisch auf das Vorliegen einer ASP-Infektion untersucht werden.
  • In der weißen Zone und im Kerngebiet ist die intensive Tierseuchenbekämpfung weiterhin notwendig. Das bedeutet die Entnahme und unschädliche Beseitigung aller potentiell infizierten Tiere (Entnahme und Bejagung werden in einer separaten Anlage konkret geregelt).
  • Die Schutzzäune müssen zwingend intakt bleiben, das heißt die Tore sind jederzeit geschlossen zu halten.
  • Weiterhin gilt: Alle gefundenen Kadaver sind unverzüglich zu melden.

Dahme-Spreewald Landrat Stephan Loge: „Umfangreiche und intensive Maßnahmen der vergangenen Wochen lassen es nun zu, dass wir die Beschränkungen für die land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen, aber auch für die privaten Grundbesitzer und Landnutzer aufheben oder abmildern können. Ich hoffe, dies kann zum Ende des Winters vor allem Sorgen der betroffenen Betriebe lindern. Ein Ausbruch der ASP außerhalb des Kerngebietes würde wiederum weitreichende Maßnahmen in den dann betroffenen Gebieten notwendig machen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir diese Langzeitlage gemeinschaftlich beherrschen und verkürzen können − durch Kompromissbereitschaft der Betroffenen, Rücksicht gegenüber den seit Monaten täglich im Einsatz befindlichen Fachleuten und durch Mithilfe unserer aufmerksamen Bürgerschaft.“

Fallwildsuche wird fortgesetzt
Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es bisher bei fünf tot aufgefundenen Wildschweinen positive ASP-Befunde sowie drei Verdachtsfälle (Stand: 05. März 2021). Der erste ASP-Fall ist bei einem toten Frischling am 19. Februar 2021 bestätigt worden. Alle Fundorte lagen innerhalb des festgelegten Kerngebietes 3 bei Trebitz.

Die intensive Fallwildsuche und Bergung auf dem unwegsamen Areal läuft mehrmals wöchentlich weiter. Die eingesetzten Suchtrupps der Kreisverwaltung werden von ortskundigen Jagdberechtigten, ansässigen Landwirtschaftsbetrieben, Forstmitarbeitern, Suchhundeteams, Verwaltungmitarbeitenden sowie Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren tatkräftig unterstützt. Amtstierärztin Dr. Jana Guth: „Diese Maßnahmen sind langwierig und anstrengend, jedoch zwingend erforderlich, um die infizierten Kadaver sicher zu entsorgen. Man muss bedenken, dass jeder unentdeckte und mit ASP infizierte Kadaver über Monate eine Ansteckungsgefahr bedeutet.“ Die amtlichen Fallwildsuchen, aber auch die Meldung toter oder kranker Wildschweine durch jedermann sind daher unerlässlich.

Vorsichtsmaßnahmen bei Hausschweinehaltung einhalten
Schweinehalter sind weiterhin dringend aufgefordert, bei der Biosicherheit in Hausschweinhaltungen nicht nachzulassen und ihren Betrieb gegen eine Einschleppung des ASP-Virus zu schützen. „Ein wichtiger Punkt dabei ist eine Umzäunung der Stallanlagen und eine Hygieneschleuse. Mit dem konsequenten Einhalten und Beachten der Biosicherheitsmaßnahmen sollte es möglich sein, die ASP zumindest aus Hausschweinebeständen fernzuhalten“, betont die Amtstierärztin.

Fallwildmeldung
Sollten Privatpersonen ein totes Wildschwein entdecken, ist dies niemals anzufassen. Der Fund ist umgehend dem Kreisveterinäramt mit genauer Beschreibung des Fundortes unter der Tel.: 03546 20-1582 oder per E-Mail an fallwildmeldung@dahme-spreewald.de zu melden. Nach Möglichkeit wird zudem erbeten, ein Foto vom Kadaver sowie die GPS-Koordinaten des Fundortes per Smartphone mitzuteilen.

Prämien
Das Auffinden von toten Wildschweinen innerhalb des festgelegten Seuchengebietes wird mit folgenden Aufwandsentschädigungen unterstützt:

  • im Kerngebiet 150 Euro/Stück
  • im gefährdeten Gebiet 100 Euro/Stück
  • in der Pufferzone 100 Euro/Stück

Wichtig: Das Kerngebiet darf nur von berechtigten Personen betreten werden! Für alle anderen gilt im Kerngebiet: Das Betreten des Waldes und der offenen Landschaft ist untersagt. Im gefährdeten Gebiet und in der Pufferzone können auch Privatpersonen tot aufgefundene Wildschweine dem zuständigen Veterinäramt unter genauer Beschreibung des Fundortes melden und so die Prämie von 100 Euro vom Landkreis erhalten, wenn der Tierkörper durch den Bergungstrupp des Landkreises aufgefunden und als Wildschwein identifiziert wurde.

Für erlegtes bzw. entnommenes, nicht vermarktungsfähiges Schwarzwild aus den Restriktionszonen wird eine Abgabeprämie an die Jagdausübungsberechtigten gezahlt. Die Abgabeprämie beträgt für Schwarzwild:

  • bis 30 Kilogramm Gewicht 30,00 Euro
  • ab 30 Kilogramm Gewicht 50,00 Euro
  • für Bachen ab 50 kg in Kerngebiet und weiße Zone 100,00 Euro - befristet bist zum 31.03.2021 (ausgenommen Fallenfang)

Informationsangebot im Netz
Weiterführende Informationen zur Afrikanischen Schweinepest, wie beispielsweise Antragsformulare, Bekanntmachungen oder Merkblätter des Veterinäramtes, gibt es im Internetauftritt des Landkreises Dahme-Spreewald unter www.dahme-spreewald.info/de/asp .

Info-Telefone zur Afrikanischen Schweinepest

Landkreis Dahme-Spreewald: 03546 20-1588 (Mo-Fr: 8-16 Uhr)

Land Brandenburg: 0331 866-5666 (Mo-Fr: 9-13 Uhr)


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