Aktuelles - Landkreis Dahme-Spreewald

2005 / 0097
15.06.2005

aquamediale

aquamediale
Interdisziplinäres Kunstprojekt mit 10 Künstlern aus 7 Ländern

Zwischen Schloss- und Liebesinsel in Lübben haben zehn Künstler sich auf dem Wasser, an den Ufern der Fließe, an den Brücken und unter den Bäumen mit dem für den Spreewald lebensnotwendigen Element Wasser auseinandergesetzt. Mit ungewöhnlichen Objekten wie schwimmenden Möbeln oder observierenden Augen, einem direkt ins Wasser führenden Eingang zur U-Bahn, einem umfunktionierten Spreewaldkahn oder mit lampionartigen schwebenden Hochhäusern haben sie originelle Verbindungen zwischen Erde und Himmel geschaffen, um mit künstlerischen Mitteln die Problematik des Wasserschwundes als direkte Folge der stillgelegten Braunkohletagebaue in der Niederlausitz mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für den Fortbestand des Spreewaldes als touristisches Paradies zu appellieren. über die konkreten Bezüge vor Ort hinausweisend, wird die existenzielle Bedeutung des Wassers im globalen Kontext thematisiert.

Eröffnungsveranstaltung

17. Juni, 21 Uhr, Hafen 2
Percussion, Performances und jede Menge schwimmender, schwebender oder untertauchender Kunst

mit
Michael Wertmüller aus der Schweiz, als Gast der Akademie der Künste Berlin
Mitgliedern der NEUEN BüHNE SENFTENERG
und dem Christian Weidner Saxophon-Trio
Special guests: Tänzerinnnen und Tänzer aus Samoa von Tropical Island, nach 22 Uhr

Eröffnet wird die so genannte Kahnvernissage der aquamediale mit einer temperamentvollen Percussion für (Jazz)-Schlagzeug durch Michael Wertmüller aus der Schweiz unter dem Titel: Up On his way to the ZIVILSCHUTZ.

Dabei handelt es sich um „eine Komposition um die Zahl Fünf, die nicht nur den seriellen Aspekt, sondern auch die fünf Male meint, die ich zum schweizerischen Zivilschutz vorgeladen wurde, um dann doch nicht zu erscheinen. Messbare, maschinelle Ereignisse lösen sich auf in quasi chaotische, natürliche Ereignisse und umgekehrt. Zeit und Raum verschmelzen. Das hohe Tempo und die kompakte Klanglage bewirken, dass diese strukturellen Details hörpsychologisch nur als Gesamtergebnis wahrnehmbar sind…“
Michael Wertmüller

Während der Kahnfahrten werden Künstler der NEUEN BüHNE SENFTENBERG mit unterschiedlichen Performances spritzige Ideen, wasserhaltige Ansprachen und absurde Szenen zu einem theatralischen Wasserkunstwerk verbinden, in dem so manches auf überraschende Weise baden geht.
Mit dabei: Der mit dem Schlauch kämpft, ein hydraulisches Wasserballett, die Spree-aus-Löffler, ein Wasserduo u. a. überraschende Vorkommnisse und Akteure (Teilweise Generalprobe während der Presserundfahrt am 15. Juni, um 20 Uhr).


Diese Vorstellungen sind einmalig und nur im Zusammenhang mit der Vernissage zu erleben.

aquamediale

Dauer: 18. Juni bis 17. September
Orte: Die Spreefließe in Lübben (Zwischen Schloss- und Liebesinsel)

Veranstaltet von: Landkreis Dahme-Spreewald, der Akademie der Künste Berlin und der
Gefördert durch:
Landkreis Dahme Spreewald, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Potsdam, Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam, Ostdeutsche Sparkassenstiftung im Land Brandenburg, Rok Polsko-Niemiecki/Deutsch-Polnisches Jahr 2005/06, Deutsch-Polnische Stiftung, Akademie der Künste Berlin, Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst Pückler Land und Tourismus, Kultur und Stadtmarketing Lübben (Spreewald) GmbH


Medienpartnerschaften mit
rbb - Antenne Brandenburg und Kulturradio sowie Lausitzer Rundschau.

Die Objekte und Installationen und ihre ausgewählten Orte sind Bestandteil der täglichen Fahrten mit dem Spreewaldkahn und auch während der Kahnnächte am 25. Juni, am 23. Juli und am 20. August zu erleben.

Die Künstler der aquamediale


Irina Dubrovskaja Moskau/Berlin
Koji Kamoji Japan/Warschau
Jan Köchermann Hamburg
Radek Kostyra Warschau
Dirk Edwin Krechting Amsterdam
Maja Nagelowa Eula/Berlin
Marzena Nowak Warschau
Ping Qiu China/Berlin
Ruthe Strunz/ Israel/Berlin
Michael Reitz Berlin
Einar Thorsteinn Reykjavik/Berlin


Irina Dubrowskaja
Objekt- und Installationen, Performances, Gesang

1961 Donezk geboren
1967 Umzug nach Moskau

1983 Diplom am Institut für Angewandte Kunst und Design in Moskau
Tätig als freiberufliche Künstlerin

Seit 1991 wohnhaft in Berlin und Moskau

Seit 1993 „Unterwasser“ – Performance + Musikgruppe (eigene CD)

1999 Stipendium der Akademie der Künste Berlin/Brandenburg
2003 Sommerakademie und Kunstraum Europäischer Hugenottenpark
in Schwedt /Oder


Wasser erfährt in den halbkugelförmigen, mit Sprüchen und Malerei besetzten Objekten bei Irina Dubrowskaja doppelte Bedeutung. Ausgangspunkt ist ein Wortspiel, ein Palindrom, wie es im Griechischen heißt, ein Begriff, den man vorwärts und rückwärts oder spiegelverkehrt lesen kann wie z. B. Reittier oder Rentner, oder Leben-Nebel. Im Zusammenhang mit der existenziellen Bedeutung des Wassers für den Spreewald reagiert sie, bildlich gesprochen, auf die alles entscheidende Frage: Fließt die Spree vorwärts oder rückwärts? In der natürlichen Zirkulation des Wassers erkennt sie die Einheit von Anfang und Ende, von Bewegung und Stillstand, von Leben und Tod. Der Wassertropfen, Hauptdarsteller in diesem Lebenstanz, ist als kleinster Bestandteil der Spreefließe genauso bedeutsam wie in der unendlichen Weite des Ozeans.
Ausgeführt wird das Anliegen als zwei transparente Halbkugeln in der Form von Wassertropfen, in die Textzeilen integriert werden. Ihr ausgewähltes und zugrunde gelegtes Wortspiel lautet: „Wasch nicht nur mein Gesicht, wasch auch meine Taten!“ Mit dieser Aufforderung definiert sie Wasser als herkömmliches Reinigungsmittel und versetzt es als Metapher zugleich in den Zustand eines moralischen Mediums, das zur Prüfung menschlichen Verhaltens in der Gegenwart bestens geeignet scheint.
Zusätzlich und wenn die Bedingungen es erlauben, könnte eine außerdem eine Lübbener Landschaft von Innen aufgemalt werden.


Koji Kamoji (Japan/Warschau)
Projektbeschreibung/Titel:
Welle und Kahn
Installation mit einem Spreewaldkahn auf einer intensiv ausgeleuchteten 64 qm Aluminiumfläche, die bewegte Lichtreflexe auf die Außenseite des Kahns projiziert. Aus dem Kahn selbst ertönt leise Shakuhatchi Musik. Im Umfeld sind 1 bis 2 Meter große, in Wellenform geprägte Aluminiumteile, die sich sowohl oberhalb als auch unterhalb der Wasseroberfläche befinden.


Radek Kostyra (Józefów PL)

Durst - Pragnienie
Projektbeschreibung / Plakat Installation
Hierbei handelt es sich um ein 3 x 4 Meter großes und beidseitig beschriebenes Plakat aus textilem Material oder Plastikfolie, worauf jeweils in Deutsch und Polnisch geschrieben steht: Durst – Pragnenie. Die Schrift selbst ist mit bloßen Fingern als typografischer Abdruck in die zu diesem Zeitpunkt noch feuchte Lehmschicht, die auf das Trägermaterial aufgebracht wurde, eingraviert. Während der Trocknung sind Risse entstanden, die diese Schrift grafisch kommentieren und im Zusammenhang mit dem Thema symbolischen Wert erhalten. In einer zweiten Aktion nutzt Radek Kostyra Baumstümpfe in der Uferzone, um mit einer Installation aus weiß getünchten ästen in Gestalt von bizarren Kaskaden die Verwandlung des Elementes Wasser in Luft zu verdeutlichen.

Jan Köchermann (Hamburg, Akademie der Künste Berlin)
1967 Lüdenscheid geboren
1989-94 Studium Kommunikationsdesign an der FH für Gestaltung (jetzt: Hochschule für angewandte Wissenschaften), Hamburg
1992-98 Studium der freien Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg
1999 Erasmus-Stipendium, Studium and er Faculdad de Bellas Artes, Madrid
2001 Deutscher Studienpreis (1. Preis) der Körber-Stiftung, Hamburg
Atelierstipendium Goldbeck, Hamburg
2003 Stehr-Stipendium, Pinneberg; D-Stipendium, New York
2004 Werkstatt junge Akademie, Akademie der Künste Berlin/Brandenburg

Hochhaus Lampions
Projektbeschreibung:
Sie sind wohl das, worauf der Besucher des Spreewaldes am wenigsten vorbereitet ist. Jan Köchermann hängt an ausgewählten Orten seine so genannten „Plattenbau-Lampions“ zwischen Bäume. Fünf nicht zu übersehende Stofflampen, die aussehen wie genormte Punkt-Hochhäuser der Marke DDR-Plattenbau und die abends leuchten werden, kontrastieren die verwunschen wirkenden Gewässer, in denen sie sich samt ihrer gerasterten Balkons spiegeln. Köchermann setzt ganz auf den harten Widerspruch zwischen konzentrierter, großstädtisch-anonymer Siedlungsmuster, die, sollte der Spreewald irgendwann einmal mangels Wasser eintrocknen, die Landschaft auch hier überwuchern könnten. Durch die schwebenden Hauslampions entsteht ein groteskes Beieinander und eine zugleich originelle Fragestellung, die den Besucher provoziert, die idyllische Atmosphäre, wie sie normalerweise vom Boot aus zu erfahren ist, durch die gewollte Unterbrechung des Genusses, in Frage zu stellen und Nachdenklichkeit zu hinterlassen.

Dirk Edwin Krechting (Amsterdam/Berlin)
1967 in Haag geboren
1987-94 Studium an der Kunstakademie Utrecht und Breda, Sint Joost
Abteilung Fotografie und Wandmalerei
1993 Ausbildung zum Bildhauer bei Eugen Gocan, Cluj, Rumänien
1994-96 Restaurierungs-Assistent für Malerei im Atelier von D. A. Dantzig
lebt und arbeitet in Amsterdam und Berlin

Vertrieben. Entfernung
Annäherung an eine Projektbeschreibung
Wird Lübben an das Berliner U-Bahnnetz angeschlossen? Irreführung der Behörden oder ein origineller Versuch, dem Scheine nach im Gewässer der Spree ein großstädtisches Verkehrsmittel zu integrieren. Krechtings U-Bahn Eingang unter dem Titel „Vertriebene – Entfernung“ führt, wie könnte es anders sein, nicht zur Linie 1 oder 4, sondern in die Mitte unter der Wasseroberfläche. Hier prallen Zeugnisse und Zustände aufeinander, die widersprüchlicher nicht sein können, die einander ausschließen und die auf absurde Weise die Unterschiede in der Verortung existenziellen Seins in der unmittelbaren Gegenwart sinnbildhaft deutlich machen.

Maja Nagelowa
geboren 1959 in Bautzen, sorbisches Elterhaus,

1977-1983 Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule
für bildende Künste in Dresden
lebt seit 1991 in Eula/Sachsen und Berlin

Studienaufenthalte in Südamerika; 1998 Aufenthalte in Künstlerkolonien in Serbien und Bosnien

Wassermanns Geheimnis. Irrlicht und/oder Irritation?
Projektbeschreibung:
Maja Nagelowas Augen transportieren die Wasserproblematik gewissermaßen als Innenansicht. Horizontal angeordnet, werden die zum Teil unter Wasser schwimmenden Augen aus Plexiglas zur materialisierten Fragestellung, bei dem jeden Besucher das Gefühl überkommt, beobachtet und durch die direkte und wiederholte Ansprache zur Nachdenklichkeit provoziert zu werden. Die Vielzahl der lose auf der Wasserfläche verteilten „Augen“, die nach Einbruch der Dämmerung aufleuchten und sich im Wasser spiegeln, verstärken diesen Effekt noch. Sie verbreiten eine mit modernen Mitteln herbeigeführte romantisch-diffuse Stimmung, erinnern an den Wassermann der sorbischen (wendischen) Sagenwelt und führt zu völlig neuen Möglichkeiten der Begegnung mit dem Element Wasser und den Wechselbeziehungen, die der Mensch dazu entwickelt.


…„Das Thema des Sehens, das Auge, der Blick, das Sehen und Gesehenwerden,
der Voyeurismus...dieses Thema beschäftigt mich seit etwa 3
Jahren....Augen als Herde, als Schwarm auf dem Wasser zu installieren, verbindet
für mich die Denkansätze zum Sehen mit einem realen-surrealen Objekt,
das all die Auslegungen zum Blick assoziativ offen lässt, mehr noch, so
hoffe ich auf eigentümliche Weise anregt…hinzu kommen im wirklichen Wasser die Gedanken an Tränen (feuchtes sehen) und im Spreewald gar der Gedanke an die Wassermänner aus den Unterwelten, von denen die Sage geht, oder, falls die Augen glimmen, an die Irrlichter...also ein irritierendes Spiel mit dem Augapfel...
Maja Nagelowa


Marzena Nowak (Piaseczno, PL)
Videoprojekt (Arbeitstitel)

3 x Natur
Projektbeschreibung:
Ein Monitor ist solcherart an der wasserseitigen Fassade des Hafengebäudes angebracht, dass Besucher und Gäste des Terrassen-Restaurants einen Film sehen können, der ein spielendes Kind just an dem Ort zeigt, den Sie selbst in Natura wahrnehmen können, wenn sie sich ohne großen Aufwand umdrehen. Marzena Nowak spielt, in dem sie mit den gängigen Begriffen und Mustern von Rationalität und Irrationalität, von Realität und Irritation, in dem sie selbige auf banale Weise unterläuft und antrainierte Sehgewohnheiten und Wahrnehmungsmuster ins Gegenteil verkehrt.



Ping Qiu (China/Berlin)

1961 geboren in Wuhan, China
1981-1987 Studium an der Nationalen Kunstakademie Hangzhou, China
1988-1994 Studium an der Hochschule der Künste, (HdK), Berlin
lebt und arbeitet seither in Berlin


Tsunami
Projektbeschreibung:
In dieser gleichermaßen originellen wie beziehungsreichen Installation, in der die Künstlerin jüngst gemachte Erfahrungen mit der tödlichen Sturmflut verarbeitet, werden Objekte der Alltagskultur wie weißlackierte Tische und Stühle über der Wasseroberfläche schweben, die von aufgeblasenen Gummihandschuhen, die wie seltsame Vögel die beschauliche Situation beleben und kommentieren. Vexierspiel oder Fragestellung nach den Normen gegenwärtigen Lebens auf der Hatz nach immer neuen Erlebniswelten? 14 Stühle, 2 runde Tische und in den Rang von Kunstwerken erhobene Gummihandschuhe verbinden sich zu einer Aussage, die Erfahrungen und Erwartungen bündelt und Nachdenken über Sinn und Unsinn globaler Reisewut provoziert.


Ruthe Strunz (Haifa/Berlin, Akademie der Künste)
& Michael Reitz (Berlin/Akademie der Künste)
(Künstlergruppe „walkscreen“)

Ruthe Zuntz
1971 in Haifa geboren
1989-91 Grafikerin im Bereich Kultur und Erziehung bei der Israelischen Armee, Tel Aviv
1992-1998 Studium Gestaltung/Neue Medien, Hochschule der Künste, Berlin
1995-1996 Studienaufenthalte in New York
1997-1998 Stipendium für Film- und Medienkunst, Akademie der Künste, Berlin/Brandenburg
1998 Atelier Stipendium „Parabolica Spaces“, Berlin
1998-1999 Stipendium „Villa Serpentara“, Olevano Romano, Italien
Akademie der Künste
1999-2000 Lehrbeauftragte für „Interaktive Kunst“, Universität der Künste, Berlin

Michael Reitz
1967 in Göttingen geboren
1988-1990 Zivildienst in Nes Ammin, Israel
1990-1994 Ingenieurstudium/Diplom bei Mercedes Benz, Berlin
1996-2000 Studium Gestaltung/Neue Medien, Hochschule der Künste, Berlin
1998 Atelier Stipendium „Parabolica Spaces“, Berlin
1998-1999 Stipendium an der “Accademia di Belle Arti”, Bologna, Italien
1999-2000 Stipendium für Film- und Medienkunst, Akademie der Künste, Berlin/Brandenburg

Floating Flux
TrinkWasser! DenkWasser!
Projektbeschreibung:
Wasser ist unsere Verbindung zum Ursprung. Wir haben die ersten neun Monate unseres Lebens im Wasser schwebend verbracht, und immer noch lassen wir alle Sinne vom Urelement streicheln.
Wir lassen unser Bewusstsein von der Brandung hinter den Horizont ziehen; die Lichtreflexe eines Sees und das Murmeln eines Baches erzählen uns ebenso vom großen Kreislauf wie das schöne Erschrecken, wenn wir jeden Frühsommer zum ersten Mal am Strand ins Wasser waten.

Wasser ist – neben Luft – das, worauf unser Körper am wenigsten verzichten kann. Wasser ist eines der wichtigsten Dinge auf unserer Erde, rare Ressource, um die die Kriege der Zukunft geführt werden.

Wir bestehen selbst zu über 80% aus Wasser, doch wie achtlos gehen wir mit unserem Lebenselixier um? Unser Trinkwasser kaufen wir meist in PET-Flaschen, simples Wasser, chemisch verpackt, per Diesel durch halb Europa gekarrt. Diese Flaschen landen dann irgendwo in der Natur oder werden – bestenfalls - aufwendig recycelt.
Die Installation von walkscreen erinnert an den Kreislauf des Wassers. Vom Naturwasser zum Trinkwasser, zum Abwasser - und dann wieder zum Trinkwasser? Denn alles, was wir zum Putzen unserer Toiletten oder zum Waschen unserer Wäsche verwenden, begegnet uns später wieder in unseren Wasserhähnen.
In Lübben werden mehrere Inseln, Eisschollen gleich, halbgetaucht in den Kanälen schwimmen. Transluszente Flächen aus Trinkwasserflaschen, karstige, signalfarbene Riffe aus (gereinigten) Putzmittelflaschen.

Die Kähne mit den Besuchern werden sich ihren Weg durch die Hindernisse bahnen müssen, hinaus in die erhaltene Natur der Spreearme, deren Schönheit und Schutzwürdigkeit sich den Gästen dann wohl noch mehr offenbart.

walkscreen – Fact Sheet (Zusatzinformation)
Interaktive Installation oder auch walksreens sind künstlerische Arbeitsschwerpunkte der beiden Medienkünstler Ruthe Zuntz und Michael Reitz. Seit 1995 arbeiten sie an interaktiven Installationen, in welchen der Betrachter zum aktiven Besucher und Wanderer in virtuellen Landschaften wird. Bildfolgen, visuelle Botschaften und Sounds werden durch Sensoren ausgelöst.
1998 entstand die Arbeit „Walkabout“, in welcher die Künstler, mit mehreren Kameras Panoramaaufnahmen der Hinterhöfe von Berlin Mitte machten. Diese wurden mit 6 Projektoren computergesteuert auf eine 15 Meter lange Projektionsfläche projiziert. Die Betrachter konnten so mit Hilfe eines Sensorteppichs interaktiv durch die Hinterhöfe von Berlin wandern.


Einar Thorsteinn (Reykjavik/Berlin)
1955 in Reykjavik geboren
1964 Studium der Architektur in Hannover
Diplom als Architekt
1969-73 Institut für leichte Tragflächenwerke und Atelier Warmbronn, bei Frey Otto in Stuttgart
Tensegrity Konstruktionen
Membrankonstruktionen Tent-Tunnel-Project
Seit 1973 eigene Entwicklungs- und Fabrikationswerkstatt KINGDOMES in Alafus/Island
Seit 1990 zahlreiche Projekte als Technischer Berater mit Olafur Eliasson

Projekte Duft-Tunnel in Wolfsburg Autostadt; Spiral Stairs München 2003; Bregenzer Wasserfestspiele; Spiral Lighthouse; Skybridge Project; Hydro-Pavillion Oslo 2005

Messung von Lichtgeschwindigkeit im Lübbener Gewässer (Beitrag zum Einsteinjahr)
Projektbeschreibung:
Menschen sind mobile Denkfabriken: Auf einer Brücke in Lübben unterbrechen die Passanten ihren Weg an einem rotem Rohr, aus dem per Knopfdruck Geräusche ertönen. Dies zählt als Experiment und als Metapher, um eine anschauliche Beschreibung des Vorgangs „Messen von Lichtgeschwindigkeit im Lübbener Gewässer“ sinnlich erlebbar zu machen und seinen Einfluss auf unser Denken zu ermöglichen.

Aus dem Wasser ragen zwei Teile der Apparaturen, welche die komplexen physikalischen Vorgänge für die Nachwelt registrieren. Unter Einbeziehung der Sonneneinstrahlung bilden diese Apparate und die Brücke das Instrumentarium des ungewöhnlichen Messvorgangs…

„Mein Werk in der aquamediale, wie die in allen anderen Präsentationen, baut auf der Tatsache auf, dass Menschen mobile Denkfabriken sind, die ihre Realität ständig verändern. Der Gedanke erscheint also als Grundlage von allem in der dualen Welt, die wir gewöhnlich das Universum nennen und die Energie derselben. Gedanken sind weder gut noch schlecht und um nicht in eine Entwicklungsstagnation zu geraten, muss einmal Erfahrenes ständig von neuen Gedanken überholt werden.
…Aus Anlass des so genannten Einstein-Jahres spiele ich hier mit einigen überlegungen zum Thema: "Messung von Lichtgeschwindigkeit in Lübbener Gewässern". Dies geschieht im Harmonie mit Einsteins Spruch "Wir müssen nie aufhören zu denken", wenngleich das Resultat meiner Herangehensweise nicht mehr konform mit Einsteins wissenschaftlichen Beitrag sein kann…
Einar Thorsteinn

Das aquamediale Team

Projektentwicklung und Kurator
Ralf Sander

Künstlerische und technische Organisation
Sieghard Auer

Projektmanagement
Herbert Schirmer

Organisation & Koordination
Jürgen Höhn, Noris Schenk und Peggy Nitsche
Tourismus, Kultur- und Stadtmarketing Lübben (Spreewald) GmbH

Projektleitung
Karin Stöckigt

Weitere Veranstaltungen während der aquamediale
Literatur im Wappensaal des Schlosses

23. Juli 05, 18 Uhr
Katja Lange-Müller – „Die Enten, die Frauen und die Wahrheit“
mit Büchertisch, Gespräch und Signierstunde im Anschluss an die Lesung
Moderation: Herbert Schirmer

Sie verfügt über die sprichwörtliche „Berliner Schnauze“, hat Schriftsetzerin gelernt, sich in verschiedenen Gelegenheitsjobs ausprobiert und war Pflegerin in der Psychiatrie tätig, bevor sie die Schriftstellerin Katja Lange-Müller wurde.
Die inzwischen durch zahlreiche Preise geehrte Autorin, die 1984 die DDR verließ, ist eine ausgezeichnete Beobachterin. Und sie ist eine kritische, die Menschen liebende Schriftstellerin, die sich querstellt und die auf unverwechselbare Weise den Leser und seine Erwartungshaltungen gegen den Strich bügelt. Ohne die Vergangenheit zu beschönigen, nimmt sie rücksichtslos und sehr direkt deutsch-deutsche Vorkommnisse der jüngsten Zeit aufs Korn und mischt sie mit bissiger Komik auf. Es sind Geschichten, in denen Lust und Frust des Daseins mit Witz und Charme beschrieben und von Weisheit und Erkenntnis kommentiert werden. Sie selbst bezeichnet ihre Texte als "Geschichten von der nicht so richtig putzigen, eher weniger salonfähigen Art."
Unbedeutende und alltägliche Situationen bilden den Stoff, von dem ihre doppeldeutigen und ironischen Kurzgeschichten handeln. Ihre Helden, egal ob Trinker oder Steuerhinterzieher, agieren in Kneipen, auf Bahnhöfen oder an Badestränden in den verschiedensten Metropolen dieser Welt. Mit dem besonderen Blick auf die Spezies Mensch und dessen gelegentliche Seltsamkeiten, erzählt sie von allerlei Getier, das den Menschen gleich, in Städten und Zoologischen Gärten sein Dasein fristet: von Moskauer Spatzen, deren Gesicht sie irgendwie an die Physiognomie des Genossen Lenin erinnert, von Katzen und Mäusen in Berlin oder von Enten auf der Alster in Hamburg.
Wer sich also auf die Enten, die Frauen und die Wahrheit von Katja Lange-Müller einlässt, wird schon bald erfahren, dass aus verhaltenem Schmunzeln durchaus herzhaftes Lachen werden kann.

Katja Lange-Müller: Die Enten, die Frauen und die Wahrheit. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2003.
247 Seiten. 18,90 €.

20. August, 17 Uhr
Rolf Hochhuth. McKinsey kommt
mit Büchertisch, Gespräch und Signierstunde im Anschluss an die Lesung
Moderation: Herbert Schirmer
Der am 1. April in Eschwege geborene Rolf Hochhuth zählt zu den unbequemen deutschen Dramatikern. Mit Der Stellvertreter, durch Erwin Piscator 1963 in Berlin uraufgeführt, erregte er internationales Aufsehen. Wie kein anderer vor ihm hat Hochhuth die Haltung der katholischen Kirche - in persona repräsentiert von Papst Pius XII. - gegenüber dem Holocaust kritisch verarbeitet. Zehn Jahre später muss mit Hans Filbinger, dessen nationalsozialistische Vergangenheit Hochhuth in einem Artikel der Wochenzeitung „Die Zeit“ bloßstellt, der baden-württembergische Ministerpräsident zurücktreten. In jüngster Zeit hat der kritisch engagierte Rolf Hochhuth mit „Wessis in Weimar“ sich mit den grotesken Erscheinungen und dubiosen Machenschaften im Zuge der deutschen Vereinigung nach 1990 eingemischt. Sein vorerst jüngstes und 2004 erschienenes Werk „McKinsey kommt“, kreist vor allem um die soziale Gerechtigkeit, ein Thema, das er um verschiedene Themenkomplexe variiert. Es basiert in weiten Teilen auf dem früheren Stück "Arbeitslose oder Recht auf Arbeit" von 1999. Der Schriftsteller greift in "McKinsey kommt" die Branche Unternehmensberatung sehr scharf an und kritisiert eine Wirtschaftspolitik, die nur am Kriterium der Rationalität ausgerichtet ist und keine humane Komponente mehr ausweist. Der Hauptvorwurf: Große Unternehmensberatungen unterliegen keiner nachvollziehbaren Kontrolle mehr. Rolf Hochhuth bezieht Stellung für die, wie er sie nennt, "Opfer" der Rationalisierungswut. Das im Brandenburger Stadttheater uraufgeführte Stück machte Furore und löste eine Diskussion über Unternehmensberater, ihre Methoden und ihre gesellschaftliche Verantwortung aus. So hatte er eine Passage eingebaut, die von Medienvertretern als mögliches "Verständnis für einen Mordaufruf" gegen den Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann interpretiert wurde. Hochhuth wies den Vorwurf des Mordaufrufs entschieden zurück, ohne jedoch zu erklären, wie die Passage sonst zu verstehen sei.
Kritiker werfen Hochhuth vor, schwindende öffentliche Aufmerksamkeit mit publikumswirksamen skandalträchtigen Effekten zu kompensieren. Auf Rolf Hochhuths Kommentar in Lübben dürfen wir gespannt sein.
Rolf Hochhuth. McKinsey kommt. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), 2004



Redaktion: H. Schirmer, aquamediale TEAM








nach oben