Aktuelles - Landkreis Dahme-Spreewald

2017 / 0215
07.07.2017

Projekt - „LDS integriert“ zieht erste Bilanz


Kürzlich überzeugten sich die Initiatoren des Projektes „LDS integriert“ bei Firmenbesuchen vor Ort, ob und wie das Anfang des Jahres gestartete Integrationsvorhaben mit Leben erfüllt wird.

Der Landkreis Dahme-Spreewald  hat gemeinsam mit dem Jobcenter Dahme-Spreewald, der Agentur für Arbeit und der AWO Brandenburg Süd e.V. das Projekt „LDS integriert auf den Weg gebracht, um  Geflüchtete bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Bisher konnten im Rahmen des Projektes 18 Asylbewerber und Flüchtlinge erfolgreich in Praktika, Ausbildung und Arbeit vermittelt werden. Sie kommen aus Eritrea, Syrien, Afghanistan und dem Iran. Für sieben weitere Zugewanderte steht eine feste Arbeitsanstellung oder der Beginn einer Ausbildung in Aussicht. Die Geflüchteten arbeiten beispielsweise als Elektriker, Ingenieur und Hilfsarbeiter oder werden zur Industriekauffrau, zum Maler, Bäcker und Gas-Wasserinstallateur ausgebildet.

Ideengeberein und Leiterin des  Projektes ist Swantje Rosenboom von der Zeuthener Flüchtlingsinitiative. Zusammen mit sechs ehrenamtlichen Paten hilft sie den Neubewohnern bei der Suche nach Arbeit und Ausbildung, steht in engem Austausch mit den Behörden und sucht den Kontakt zu regionalen Betrieben.   
Unter ihrer Regie fand eine Projektfahrt zu beteiligten Unternehmen statt.  Sozialdezernent Carsten Saß, Migrationsbeauftragte Antje Pretky, Heiko Jahn als Leiter des Geschäftsbereiches Landrat sowie Boris Müller, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit in Königs Wusterhausen, Vertreter des Jobcenters Dahme-Spreewald und Kreistagsabgeordneter Michael Kuttner informierten sich vor Ort, wie das Projekt in der Praxis angenommen wird, wo die größten Schwierigkeiten bestehen und was künftig verbessert werden kann.

Besuch in der Schelchen GmbH, pedag International
In Königs Wusterhausen (OT Zeesen) wurde die Delegation von Sabine und Thomas Timm begrüßt, den Geschäftsführern der Schelchen GmbH.  Mit 170 Mitarbeitern gehört das Unternehmen heute zu den größten Herstellern von Einlegesohlen und Fußbettungen in Deutschland und ist mit der Marke Pedag sehr erfolgreich am internationalen Markt vertreten. Zur Unternehmensphilosophie gehören ein hoher Qualitätsanspruch, die Wertschätzung der Beschäftigten und die Ausbildung von guten Nachwuchskräften als Garantie für die Zukunft der Firma.  
Nach Vermittlung durch Swantje Rosenboom vom Projekt „LDS integriert“ hat die Geschäftsführung kürzlich einen Ausbildungsvertrag mit der Syrerin Fatina Alzrer abgeschlossen. Ab September wird die junge Frau eine Ausbildung zur Industriekauffrau beginnen. „Wir sind ein international ausgerichtetes Unternehmen und brauchen Mitarbeiter, die mehrere Sprachen sprechen und eine hohe Leistungsbereitschaft zeigen. Bei Frau Alzrer hat alles zugetroffen“ begründete Thomas Timm die Entscheidung. Personalchefin Sabine Timm bestätigte, dass Fatina Alzrer das dreistündige Einstellungsinterview gut gemeistert habe, bereits sehr gut deutsch spreche und mit ihren Leistungen und ihrer Ausstrahlung überzeugt habe. „Es war ein ganz normales Bewerbungsgespräch, bei dem wir vor allem auf die Leistungsbereitschaft und auf den Umgang mit Problemen achten. Vielleicht haben wir in diesem Fall ein bißchen langsamer gesprochen“,  sagte Sabine Timm.  Von Seiten des Unternehmens wurde vor allem die gute Vorarbeit im Projektteam gelobt. Alle notwendigen Unterlagen für den Abschluss des Ausbildungsvertrages waren vorhanden. „In diesem Fall hat die Zusammenarbeit mit dem Betrieb und mit den anderen Behörden wirklich gut geklappt“, schätzte auch Swantje Rosenboom ein. Sie habe, wie eine Mutter für ihre Tochter, nach einer Stelle gesucht, ist dabei auf die Schelchen GmbH aufmerksam geworden und hat offenes  Gehör gefunden. Fatina Alzrer, die in Syrien bereits als Kauffrau gearbeitet hat, begann in Deutschland gleich mit dem Erlernen der deutschen Sprache und hat unkompliziert über das Jobcenter einen hochqualifizierten Computerkurs  vermittelt bekommen.  Die junge Frau wohnt mit ihren zwei Kindern und ihrem Ehemann in Bestensee, so dass auch der Arbeitsweg zu bewältigen sei. Sie ist nicht die erste und einzige ausländische Mitarbeiterin im Unternehmen Schelchen. „Wir arbeiten seit Jahrzehnten international und brauchen Fachkräfte. Integration heißt auch, mit den Arbeitskollegen einen guten Umgang zu finden“, betonte Thomas Timm.

Besuch in der Deutzer Technische Kohle GmbH in Zeuthen
Bei der Visite in der Deutzer Technische Kohle GmbH in Zeuthen waren auch  Landrat Stephan Loge und WFG-Geschäftsführer Gerhard Janßen dabei.  „Wir brauchen ein gutes Netzwerk zwischen Behörden, Bildungsträgern und Unternehmen, um Geflüchtete mit Bleibeperspektive so unkompliziert und so schnell wie möglich in Ausbildung und Arbeit zu bringen“, appellierte Landrat Stephan Loge. Er dankte allen am Projekt „LDS integriert“ Beteiligten, besonders dem engagierten Team um Frau Rosenboom und den teilnehmenden Unternehmen für ihre Offenheit.  
Dazu gehört auch die Deutzer Technische Kohle GmbH in Zeuthen (DTK). Seit acht Monaten arbeitet der Iraner Vahid Turabi als Elektronikingenieur hier. Das weltweit agierende innovative Unternehmen erbringt mit seinen Messsystemen Dienstleistungen für über 100 Verkehrsbetriebe in 25 Ländern. Vahid Turabi führt inzwischen anspruchsvolle Arbeiten aus, hat zum Beispiel Schaltungen entworfen, bei der Auswertung von Lichtwertprofilen geholfen und schreibt an Auswertungsberichten mit. Der 30-jährige Iraner hatte in Teheran ein sechsjähriges Studium als Elektronik/Technologie-Ingenieur abgeschlossen und anschließend bei den dortigen Verkehrsbetrieben gearbeitet. Vor 18 Monaten flüchtete er nach Deutschland und hat hier ein Aufenthaltsrecht für drei Jahre.  Swantje Rosenboom nahm Kontakt mit  DTK in Zeuthen auf. „Wir haben damals nicht unbedingt jemanden gebraucht, doch bei seiner Vorstellung hat Vaid einen sehr guten Eindruck vermittelt und wir haben ein Praktikum verabredet. Das Fazit: Wir wollen ihn  behalten. Er passt menschlich und fachlich gut zu uns“, erklärte Geschäftsführer Manfred Deutzer. Der Unternehmer legt keinen Wert auf einen in Deutschland anerkannten Abschluss. „Er ist bei uns als Ingenieur tätig und erbringt auch die Leistungen dafür.“ Auch Vahid Turabi würde gern bei DTK bleiben. Er wohnt zurzeit im Haus eines Kollegen, hatte  zusammen mit ihm das Obergeschoss des Einfamilienhauses ausgebaut. Inzwischen kann er sich zu einem beliebigen Thema in Deutsch verständigen.  Die Deutsch- und Integrationskurse waren nicht immer so effektiv, wie er es sich vorgestellt hatte. Deshalb versucht der junge Iraner selbst so viel wie möglich deutsch zu sprechen. Firmenchef Manfred Deutzer unterstützt ihn dabei und führt oft Gespräche zu Fachthemen mit ihm.   
„Als Unternehmen haben wir auch eine soziale Kompetenz“, sagte er.

Besuch bei Thomas Kunike Elektroanlagen in Wildau
Seit 25 Jahre macht Thomas Kunike Elektroinstallationen, zum Beispiel für namhafte Geschäftsketten. Zwei bis drei Elektrikerteams sind immer überregional auf Montage. Seit einiger Zeit gehören auch Ahmad Aljasem und Najem Alnasri  aus Syrien dazu. Beide sind ausgebildete Elektriker und haben bereits in ihrem Heimatland in dem Beruf gearbeitet. Vor 18 Monaten sind sie als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Auch sie wurden erfolgreich über das Projekt „LDS integriert“ an Thomas Kunike vermittelt. Der Elektromeister ist mit der Arbeit der jungen Syrer sehr zufrieden. Sie seien hochmotiviert, arbeiten selbständig nach Zeichnungen und Plänen und seien sehr zuverlässig. Probleme gebe es allerdings mit der Anerkennung des syrischen Führerscheins in Deutschland.  Diesen aber brauchen alle Elektriker in seiner Firma, weil sie im Montagebetrieb arbeiten. Die jungen Männer haben ebenfalls eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland für drei Jahre. Sie wohnen zu dritt in einer Einraumwohnung in  Zeuthen, können zu Fuß in die Firma laufen. Die Wohnsituation müsse allerdings verbessert werden.  Auch Kunike lobt die intensive Vorarbeit von den Projektbeteiligten. Als kleines Unternehmen könnte er sich nicht so intensiv um Behördenangelegenheiten kümmern.

Besuch in der Bäckerei Vater in Straupitz
Wie die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt gelingen kann, wurde bei dem Besuch der Bäckerei-Vater in Straupitz von Bäckermeister Steffen Vater deutlich. Seit 10 Wochen ist ein junger Afghane als Praktikant eingestellt. Im August beginnt der junge Mann seine Lehre in der Bäckerei. Mit viel Engagement und Hilfsbereitschaft begleitet der Bäckermeister seinen Mitarbeiter, sich im deutschen Handwerk und in der Kultur zurechtzufinden.
 Bäcker Vater lobte die Motivation seines Lehrlings. „Die Handfertigkeit und die Freude am Tun sind vorhanden.“ Gerade im Bereich des Bäckerhandwerks sei es schwer, Nachwuchskräfte zu finden. Vater ist daher froh, einen geeigneten Lehrling gefunden zu haben. Der junge Mann wohnt in Straupitz und spielt in seiner Freizeit gern im Fußballverein SV Blau-Weiß Straupitz. "Ich fühle mich sehr wohl hier", so der Afghane.
 
Am Ende der Projekttour waren sich die Beteiligten einig darüber,  dass es wichtig sei, unbürokratische Wege zwischen Behörden und Unternehmen zu finden, mehr Informationsveranstaltungen durchzuführen und Multiplikatorenprogramme zu entwickeln.
„Wir brauchen mutige Unternehmen, die uns bei der Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit unterstützen und wir müssen weiter darüber nachdenken, wie wir bürokratische Hürden abbauen können“, resümierte Sozialdezernent Saß.


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