Bräuche und Feste

Im Jahr 2014 wurden die Bräuche und Feste der Sorben von der Deutschen UNESCO-Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Zum neuen Jahr wurden früher Gebildbrote aus Salzteig in Tiergestalt gebacken und dem Vieh ins Futter gegeben. Man erhoffte sich davon Gesundheit und Nachwuchs für die Nutztiere. Heute verschenkt man Neujährchen als Glücksbringer und um anderen Menschen Freude zu bereiten.

Auf dieser öffentlichen Gemeindeversammlung zum Jahresbeginn wird ein Resümee über das vergangene Jahr gezogen. Die Bezeichnung ist abgeleitet von „wótklapowaś“ – abklopfen. Im Ortsteil Klein Oßnig/Wóseńck der Stadt Drebkau/Drjowk heißt diese Rechenschaftslegung „Pśepijank“ (Zechtag).

Der aus vorchristlicher Zeit stammende Brauch ist auf mystische Vorstellungen unserer Vorfahren zurückzuführen. Um Gunst und Zuneigung von den Naturgöttern zu gewinnen, hielt man Opfer in Form von Speisen an die Ahnen für ein wirksames Mittel. Später wandelte man diese Opfergaben in Geschenke an die Kinder um. Als Ursprungsgebiet der Lausitzer Vogelhochzeit gilt der obersorbische Sprachraum, wo sie als Brauch in den Familien weit verbreitet ist.

Heute ist die Vogelhochzeit ein beliebter Brauch auch bei den Kindern in der Niederlausitz und wird um den 25. Januar herum in Kindertagesstätten und Schulen gefeiert. Da die Kinder die Vögel im Winter fleißig gefüttert haben, dürfen sie zur Belohnung nun an deren Hochzeit teilnehmen. Die Elster (sroka) als Braut und der Rabe (wron) als Bräutigam sind festlich gekleidet – meist in der niedersorbischen Festtagstracht. Die anderen Kinder verkleiden sich als Vögel und nehmen am Hochzeitsmahl teil. Mit Liedern und Tänzen gestalten sie ein fröhliches Fest.

Das wohl am ausgiebigsten und ausgelassensten gefeierte Fest in der Niederlausitz ist die Fastnacht. In der Zeit von Mitte Januar bis Anfang März feiern Jahr für Jahr tausende Bewohnerinnen und Bewohner im Landkreis dieses fröhliche Fest. Es ist ein Brauch aus dem dörflichen Arbeitsleben der noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts von der Jugend als Abschluss und Höhepunkt der im Winterhalbjahr allabendlich stattfindenden Spinte gefeiert wurde.

Fastnacht - Zapust © Peter Becker

Den Beginn der Fastnacht macht das Zampern, der Heischegang.  Seine Wurzeln sind vorchristliche Glaubensformen, Fruchtbarkeits- und Abwehrzauber. Magisch-kultische Elemente wie Maskierung, Verkleidung, Lärm und Tanz sollen Gefahren abwenden und die bösen Geister des Winters vertreiben.  Die Zamperer waren ursprünglich mit Weiden- und Birkenruten ausgerüstet und berührten Erwachsene und Kinder mit dieser "Lebensrute", welche die im Frühjahr neu steigenden Lebenskräfte symbolisierte. Zu den ältesten Vermummungen gehören die doppelte Person – der Tote trägt den Lebendigen, der Schimmelreiter und der Storch als Symbol des beginnenden Frühlings oder der Erbsstrohbär als Symbol des abziehenden Winters.

Heute verkleidet man sich meist mit moderneren Kostümen oder als Phantasiegestalten. In Begleitung von Musik gehen Kinder, Jugendliche, verheiratete Männer oder Frauen von Hof zu Hof. Dort werden die Zamperer bereits erwartet und erhalten - nach einem Tänzchen und einen kleinen Schnäpschen - Geld, Eier und Speck. Auch Autofahrer*innen werden charmant zur Kasse gebeten und erhalten dafür ein kleines Fläschen Hochprozentigen. Zum Abschluss der Zampertour werden Eier und Speck gebraten und beim „Eieressen“ gemeinsam verspeist.

Zampern - Camprowanje © Peter Becker

Der meist sonntags stattfindende Festumzug ist dann der Höhepunkt des gesamten Fastnachtsgeschehens.  Vermutlich entstand dieser Brauch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Zum Umzug der Jugend legen die unverheirateten Mädchen ihre Festtagstrachten mit den bestickten Seidenhalstüchern und den weißen Spitzenschürzen an. Vollständig ist die Tracht aber erst mit der „lapa“, der kunstvoll gebundenen Haube. Leider wird sie nicht mehr überall getragen. Jeder Bursche bekommt von seiner Partnerin einen Zapuststrauß an den Hut oder sein Revers geheftet, und nach einem Tanz im Festsaal und einem gemeinsamen Erinnerungsfoto formiert sich der Festumzug. Mit Musik und Gesang ziehen die Paare durch das Dorf und statten Ehrenbesuche bei verdienstvollen Bewohner*innen ab, wie z.B. beim Bürgermeister, Pfarrer, Schulleiter oder Vereinsvorsitzenden. Diesen wird ein Fastnachtssträußchen überreicht und die Kapelle spielt ein Ständchen für den Ehrentanz. Die so geehrten bedanken sich mit einem kleinen Imbiss und einer Gabe für die Fastnachtskasse. Abends wird das gesamte Dorf zum Fastnachtstanz in die Dorfschänke geladen.

Die Überlieferung besagt, dass zur Fastnacht fleißig getanzt werden muss damit der Flachs gut gedeiht. Und damit er recht lang wird, soll man hochspringen und mit einem möglichst großen Burschen tanzen.

Ein weiterer Tanzabend ist den verheirateten Paaren des Dorfes vorbehalten. Auch zu ihrer „Männerfastnacht“ ziehen die Frauen ihre festliche Tanztracht an.

Das Osterfest ist bei den Sorben/Wenden mit vielen Sitten und Bräuchen verbunden, die in den Familien oder der Gemeinschaft gepflegt werden.

Weit verbreitet ist der jahrhundertealte Frühlingsbrauch des Verschenkens von Eiern. Seine Wurzeln liegen in der heidnischen Vorstellung von der Wiedergeburt der Natur am Ende des Winters und dem christlichen Glauben an die Wiederauferstehung. Und so gilt seit alters her das Ei als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit. Das Färben und Verzieren von Ostereiern ist eine der ältesten volkskünstlerischen Ausdrucksformen der Menschheit. Die älteste bekannte Erwähnung von sorbischen/wendischen Ostereiern stammt aus der Zeit um 1700.

Heute erfreut sich das Ostereierverzieren großer Beliebtheit und ist fest im Jahresbrauchtum der Lausitz verankert. Die in Wachs-, Kratz-, Ätz- oder Wachsbossiertechnik geschmückten Ostereier werden an Verwandte und Freunde verschenkt. Traditionsgemäß gehen die Kinder am Ostersonntag nach Patengeschenken und bekommen von ihren Paten 3 Eier und eine Ostersemmel geschenkt.

Ostereier © Peter Becker

Auf einer Wiese oder im Garten werden von Kindern Ostereier auf einer abschüssigen Bahn heruntergerollt. Wird ein Ei dabei von einem nachrollenden Ei getroffen, gehört das berührte Ei dem Kind das dies vollbrachte. Dieser Brauch diente ursprünglich dem Graswuchs.

Die Bedeutung des Osterfeuers liegt in dem bekannten Volksglauben, dass Feuer eine reinigende Kraft in sich birgt. Dieser Brauch erfreut sich heute auch im Landkreis wachsender Beliebtheit.

Am Ostersonnabend errichtet die Jugend eines Ortes einen möglichst großen und hohen Holzstoß der um Mitternacht entzündet wird. Der Schein des Feuers soll möglichst weit scheinen und so das Land fruchtbar machen. Oft versucht die Jugend aus Nachbargemeinden das angehäufte Holz bereits vorher zu entzünden, deshalb heißt es wachsam zu sein, denn sonst sind die Betroffenen mächtigem Spott ausgesetzt. Ist das Feuer fast erloschen, nimmt der Übermut seinen Lauf. Die Burschen hängen Türen und Tore aus und verstecken sie, decken Schornsteine zu oder treiben ähnlichen Schabernack. Besonders der muss auf der Hut sein, der beim Zapust „geizig“ war, d.h. dessen Geldspende recht mager ausgefallen ist.

An den Glauben der Reinheit, Schönheit und Gesundheit fördernden Wassers knüpft dieser Brauch an. Er wird jedoch heute kaum noch gepflegt. Früher holten die Mädchen in der Nacht zum Ostersonntag vor Sonnenaufgang das heilkräftige Osterwasser. Geschöpft wurde es aus einer Quelle oder einem Fließ, wo Wasser aus östlicher Richtung, also vom Sonnenaufgang, floss. Auf dem Hin- und Rückweg musste völliges Schweigen bewahrt werden, da das Wasser sonst seine Wirkung verlor. Mit dem Osterwasser pflegte man sich zu waschen, besprengte das Vieh und mancherorts auch Menschen, denen man begegnete. Die Burschen versuchten jedoch die Mädchen auf ihrem Rückweg zu erschrecken oder die zum Sprechen zu bewegen. Hatten sie damit Erfolg, verlor das Osterwasser seine Wirkung und die Mädchen brachten dann „Plapperwasser“ nach Hause.

Osterwasserholen © Peter Becker

Ein noch bis in die 50er Jahre lebendiger Brauch in der Niederlausitz war das Ostersingen der Mädchen am Karfreitag oder in der Osternacht.

Gesamtübersicht aller sorbischen/wendischen Bräuche und Feste im Jahresverlauf


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