Beifuß-Ambrosie

Brandenburg ist das von der Beifußblättrigen Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) am meisten betroffene Bundesland. Ihr verstärktes Auftreten in den Nachbarlandkreisen Oberspreewald- Lausitz, Spree-Neiße (Schwerpunkt: Stadt Drebkau) sowie in der kreisfreien Stadt Cottbus hat in den zurückliegenden Monaten für ein zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung sowie der Verwaltungen in den Kreisen, Ämtern und Gemeinden im Land Brandenburg geführt. In Presseberichten wird von Landwirten, deren Flächen von der Pflanze besiedelt werden, von Bewohner der Regionen mit allergischen Reaktionen durch Pollen (Augen- und Bindehautreizungen oder Asthma) sowie von allergischen Hautreaktionen bei Berührungen berichtet. Bereits seit 2009 besteht im Landen Brandenburg eine enge Zusammenarbeit mit dem Aktionsprogramm des Landes Berlin und der dort vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin geführten Datenbank mit dem Namen „Ambrosia-Atlas“. Seit September 2010 gibt es für die Pflanze beim Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) die Brandenburger Landesmeldestelle, die Daten zur gemeinsamen Datenbank http://www.fu-berlin.de/ambrosia weiterleitet und für die Öffentlichkeit aktualisiert zur Verfügung stellt. Aufgrund der Daten sind beispielsweise für 2009 und 2010 Verbreitungskarten für das Land Brandenburg erstellt worden.

Der Verursacher der oben genannten Probleme, die Beifußblättrige Ambrosie, wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet Nordamerika, wo sie ebenfalls ein gefürchtetes Unkraut ist, in gemäßigte Zonen von Europa und auch in Teilen von Australien und Asien über Saatimporte eingeschleppt. Die Beifußblättrige Ambrosie ist eine eher unauffällige Pflanzenart, die in ihrem Aussehen dem Gewöhnlichen Beifuß (Artemisia vulgaris) ähnelt, was sich im Namen widerspiegelt. Der Spross des Beifußes ist jedoch, im Unterschied zur fein behaarten Ambrosie, kahl.

In der neueren Zeit breitet sich die Pflanze, bedingt durch Aspekte des Klimawandels, zunehmende Verkehrsströme, den globalen Handel sowie auch den Tourismus, intensiv aus. Bei Allergikern ist sie gefürchtet, da ihre Pollen schon in geringen Mengen Allergien auslösen und die Pollen in Entfernungen von über 200 Kilometern Beschwerden verursachen können. Die üblichen Kennzeichen sind tränende Augen, Heuschnupfen, Kopfschmerzen oder Husten bis hin zum Asthma. Weiterhin kann die Pflanze nach Berührungen bei sensiblen Menschen Hautausschläge verursachen. Daher sind Sofortmaßnahmen gegen diese von Juli bis zum Frost blühenden Pflanze sinnvoll, solange die Bestände noch kontrollierbar sind und zugleich eine weitere Ausbreitung verhindert und umfangreiche, langfristiger erforderliche Maßnahmen vermieden werden können.

Zuerst sind dabei die Eintragswege zu beachten, die über Vogelfutter erfolgen. Gesetzliche Regelungen sind hier erst in der Vorbereitung, so dass weiterhin Ambrosiasamen darin enthalten sein können.

In der Landwirtschaft hingegen wurden große Ambrosiabestände bisher vor allem in Regionen festgestellt, wo Ambrosia schon etabliert war. Die Einbringung über kontaminiertes Saatgut erfolgte vor allem dann, wenn betriebseigenes Saatgut von Flächen (Nachbauansaat) verwendet wurde. Grundsätzlich gibt es aber auch im aktuellen Saatgutrecht keine spezielle Regelung für das Vorhandensein von Ambrosia im Feldbestand oder Saatgut.

Bei der Ambrosiabekämpfung an Straßenrändern wird insbesondere auf eine rechtzeitige Mahd gesetzt, aber auch der Einsatz von Herbiziden wird erprobt. Für den Bereich Erdbau wird an geeigneten Ausschreibungstexten gearbeitet, die eine Samenfreiheit garantieren sollen.

Aufgrund einer fehlenden spezialgesetzlichen Grundlage erfolgen aber alle Maßnahmen zur Ambrosia-Problematik weiterhin auf freiwilliger Basis.

Zur speziellen Situation im Land Brandenburg haben sich bereits im März 2009 Vertreter unterschiedlicher betroffener Ressorts (u. a. öffentlicher Gesundheitsdienst, Landwirtschaft, Naturschutz, Ordnung und Sicherheit sowie Straßenmeistereien) zum Brandenburger Arbeitskreis Ambrosia getroffen, um ein Aktionsprogramm zu entwickeln. Wegen der weiterhin befürchteten Ausbreitung der Beifußblättrigen Ambrosie ist intensive Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Teil davon. Neben einem bereits 2009 versandten Informationsfaltblatt wurden 2009 und 2010 insgesamt 15.000 Informations- und Bestimmungshilfen durch das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) versand. Ein weiteres Ergebnis der Öffentlichkeitsarbeit des Landes Brandenburg ist die Informationsseite der Abteilung Verbraucherschutz, Referat 35, des MUGV (http://www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb2.c.553838.de) sowie seit 2011 auch eine Ambrosia-App mit Informationen über die Pflanze und der Aufforderung, sich aktiv am Aktionsprogramm zu beteiligen. Neben diesen Informationsmöglichkeiten, bieten die jeweiligen Ordnungsämter der Gemeinden des Landkreises Dahme-Spreewald sowie das Landwirtschaftsamt des Landkreises (Herr Schuhmann, Tel.: 03546 20-3308) an, die Bevölkerung zur Problematik aufzuklären, Schutzmaßnahmen vorzuschlagen und bei der Beseitigung der Problempflanze unbürokratisch zu helfen. Fachliche Unterstützung (z. B. Pflanzenbestimmung) wird vom Umweltamt des Landkreises (Tel.: 03546 20-2318) zugesichert.

Dabei geht es u. a. um Beseitigungsmöglichkeiten der Beifußblättrigen Ambrosie. Diese sind, am besten vor Beginn der Blütezeit und mit jährlicher Überprüfung am Standort, bei kleinen bis mittleren Populationen durch Ausreißen bei Entdeckung, am effektivsten. Für landwirtschaftliche Flächen sind die Maßnahmen (z. B. Mähen oder Pflügen) auf die jeweilige Situation entsprechend anzupassen. Die beste Strategie ist es, die Produktion von Samen und gleichzeitig die Pollenproduktion zu verhindern.

Abschließend muss festgestellt werden, dass wenn sich die Beifußblättrigen Ambrosie in Deutschland weiter ausbreitet, mit einer Zunahme von Problemen im Gesundheitswesen, der Landwirtschaft und möglicherweise auch im Naturschutz zu rechnen ist. Daher besteht dringender Forschungsbedarf, um die noch bestehenden Kenntnislücken zu schließen. Sollte sich herausstellen, dass sich die Beifußblättrige Ambrosie in Deutschland weiter ausbreitet, müssen abgestimmte Maßnahmen durchgeführt werden, um eine Zunahme der Bestände und Individuenzahlen zu verhindern. Dazu sind spezielle Haushaltmittel notwendig, die beispielsweise beim Land Brandenburg derzeit nicht eingestellt sind.

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